Sa

14

Nov

2009

Wenn es mich trifft, betrifft es MICH

 

Es gibt eine ganz einfache Wahrheit:


Wenn es mich trifft, betrifft es MICH.


Diese Wahrheit ist so einfach und so treffend und doch für viele so schwer. Schwer zu verstehen, schwer zu akzeptieren, schwer anzunehmen, schwer umzusetzen. Mich eingenommen. Jedes Mal, wenn Dir etwas im Außen begegnet, positiv oder negativ, und Dich innerlich berührt, betrifft es Dich selbst. Es ist ein Teil von Dir, den Du noch nicht angenommen hast.


Diese Wahrheit lässt sich noch fortsetzen:


Jedes Mal, wenn Dir etwas im Außen begegnet und Dich informiert, dann hast Du es Dir angenommen. Jedes Mal, wenn Dir etwas im Außen begegnet und Dich affiziert, das heißt Emotionen gleich welcher Natur in Dir weckt, dann zeigt es Dir, dass Du diesen Teil in Dir noch nicht angenommen hast.


Wir sind ja immer beides. Wir sind lieb und wir sind böse. Wenn Du Deine Bösartigkeit aber nicht annimmst, dann begegnen Dir immer wieder Menschen, die bösartig sind. Wenn Du Deine Wut nicht annimmst, begegnen Dir immer wieder Menschen, die wütend sind und Du gerätst in Situationen, die Dich wütend machen.


Es ist auch mit positiven Eigenschaften so. Wenn Du jemanden ganz toll findest, weil dieser Jemand z.B. sehr erfolgreich, schön und reich ist, dann spiegelt er Dir Deinen eigenen Erfolg, Deine eigene Schönheit und Deinen eigenen Reichtum.


Wir projizieren alles, was wir nicht in uns angenommen haben, auf unsere Umwelt. Wir selbst können uns nicht erkennen, denn wir haben vergessen, dass wir ALLES sind. Wir brauchen also andere Menschen und Situationen, um uns selbst erkennen zu können.


Ich habe mich schon immer gefragt, was es mit mir zu tun hat, wenn ich mich über einen anderen Menschen oder eine Situation aufgeregt habe. Und jedes Mal bekam ich die Antwort: „Such doch nicht immer die Schuld bei Dir.“ oder „Das hat doch nichts mit Dir zu tun. Du bist nicht so.“ Und mein Herz hat dann immer laut geschrien: „DOCH, doch, doch. ICH BIN das. Es hat sehr wohl was mit mir zu tun.“ Das hat nämlich auch was mit Verantwortung zu tun. Daher streiche einfach das Wort "Schuld" aus Deinem Wortschatz und ergänze es stattdessen mit dem Wort "Verantwortung". Diese Wahrheit habe ich also schon früh erkannt, aber ich habe sie nicht immer gelebt und auch heute noch vergesse ich mitunter diese so einfache Wahrheit, weil wir es alle gewohnt sind, die Dinge kompliziert zu machen und was einfach ist, ist erst mal nichts.


Doch die Wahrheit IST einfach.


Die Wahrheit ist, dass wir alles sind, dass wir egoistisch, rücksichtslos und stur UND gleichzeitig herzlich, rücksichtsvoll und beweglich sind.


Wenn Dir z.B. immer wieder Menschen begegnen, die untreu sind, Du aber die treueste Seele bist, die es auf diesem Planeten je gegeben hat, dann stell Dich mal vor den Spiegel und sage Dir laut: „ICH BIN untreu.“ Das fühlt sich sicherlich ganz komisch für Dich an. Vielleicht schreit alles in Dir Nein, vielleicht dreht sich Dir der Magen um und Dir wird ganz schlecht bei dem Gedanken. Und nun sprichst Du es auch noch laut aus und fühlst Dich ganz elendig dabei. Du bist alles, aber nicht das. Und an genau dieser Reaktion kannst Du merken, dass Du genau DAS bist, es aber noch nicht in Dir entdeckt und angenommen hast. Du bist der Mikrokosmos im Makrokosmos. Du bist alles, was es in Deinem Erfahrungsbereich gibt. Du bist genauso ein Adolf Hitler wie eine Mutter Theresa. Du bist genauso eine Putzfrau wie ein Superstar. Du bist genauso ein Multimillionär wie ein Obdachloser. Du bist genauso schwarz wie weiß. Auch wenn Dir Dein Spiegelbild und Dein (Er)leben etwas anderes zeigen. Du bist all das. Und alles das lebt in Dir. Und Du kannst es annehmen, indem Du Dir sagst, dass Du das bist, wie „ICH BIN untreu.“ Sag es Dir so lange, bis Du merkst, dass sich Deine Gefühle verändern. Nimm einfach alles an, was sich Dir an Gefühlen zeigt, Dein Nein zu dieser Wahrheit, Deine Wut, Deinen Hass, Deine Hilflosigkeit, Deinen Trotz, Deine Trauer, Deine Überheblichkeit, Deine Verständnislosigkeit. Nimm alles an, denn alles gehört zu Dir, alles ist ein Teil von Dir und alles will angeschaut, angenommen und bejaht werden. Das nennt man auch bejahendes Fühlen. Alles in Dir darf da sein, denn es ist ja schon da. Nach einer Weile wirst Du merken, dass sich Deine Gefühle zu diesem Satz „ICH BIN untreu.“ verändern. Du wirst vermutlich feststellen, dass Du wirklich untreu bist, auch wenn Du nie einen anderen Menschen betrogen hast. Einen hast Du mit Sicherheit schon öfter betrogen: DICH SELBLST.


Wie oft hast Du schon Deine eigene Wahrheit verleugnet und bist stattdessen mit der Masse geschwommen und hast das gesagt, getan und gelebt, was man (Massenbewusstsein) so sagt, tut und lebt?


Wie oft hast Du schon in der man-Form gesprochen, statt in der Du-Form? Man macht das so, man fühlt sich so, man denkt so usw. Wer ist denn man? Das ist die Masse, aber das ist nicht Dein eigenes Empfinden. Oder etwas ist Dein Empfinden und Du drückst es ganz allgemein aus, als wenn jeder so empfinden würde. Dabei verleugnest Du Dein eigenes Selbst, Deine Einzigartigkeit, Deine Individualität.


Wie oft hast Du schon Deine Bedürfnisse hinten an gestellt, nur damit Dein Partner, Deine Eltern, Deine Kinder, Deine Freunde zufrieden sind?


Wie oft hast Du schon Deinen Körper ignoriert, die leisen Symptome, die sich lange zeigen, bis Du eine schwere Krankheit bekommst oder einen Unfall erleidest und dann lange Zeit außer Gefecht gesetzt wirst?


Wie oft hast Du schon geschwiegen, wo Du lieber etwas gesagt hättest?


Wie oft bist Du schon faule Kompromisse eingegangen nur um des lieben Friedens willen?


Wie oft bist Du Deinem Verstand oder Deiner Angst gefolgt, statt den Weg Deines Herzens zu gehen?


Du siehst, Du bist Dir selbst schon sehr, sehr oft untreu geworden. Und deshalb ist der Satz „ICH BIN untreu“ richtig und die Wahrheit.


Die Wahrheit ist aber auch „ICH BIN treu.“


Denn genauso wie Du Dich selbst verleugnest, hast Du auch schon viele Male im Leben zu Dir gestanden, hast Deine eigene Wahrheit verkündet, hast von Dir und nicht von man (Massenbewusstsein) gesprochen. Du hast sicherlich auch schon mal Deine eigenen Bedürfnisse mitgeteilt und gelebt, hast sicherlich auch schon mal frühzeitig auf Deinen Körper gehört und ihm frische Luft, gute Nahrung, Ruhe und Bewegung gegönnt. Mit Sicherheit hast Du auch schon mal einen Streit riskiert, um Deinen Standpunkt durchzusetzen und sicherlich hast Du die Wünsche Deines Herzens schon einige Male vernommen und Dir auch schon einige Herzenswünsche erfüllen können.


Du siehst, Du bist immer BEIDES. Beides ist richtig und beides ist die Wahrheit.


Du kannst die Wahrheit immer mit drei Sätzen überprüfen.

  1. Wann war ich so? (Vergangenheit)
  2. Wann bin ich so? (Gegenwart)
  3. Unter welchen Umständen könnte ich so sein? (Zukunft)

 

Dazu möchte ich Dir ein extremes Beispiel nennen.


Du bist im Supermarkt und bekommst mit, dass ein Kind schreiend am Boden liegt und die Mutter dem Kind wütend eine Ohrfeige verpasst. Was macht die Situation mit Dir? Berührt sie Dich oder nicht? Diese Situation kann Dich informieren, es ist gerade so und es ist in Ordnung für Dich. Du gehst Deinen Weg weiter, erledigst in aller Seelenruhe Deine Einkäufe, ohne Dich weiter um die wütende Mutter und das schreiende Kind zu kümmern. Oder sie kann Dich affizieren und heftigste Emotionen in Dir auslösen. Wut, Hass, Hilflosigkeit, Trauer, Mitleid usw. Dann frage Dich: Wann war ich so? Sicherlich warst Du in der Vergangenheit auch schon in Situationen, wo Dir die Nerven durchgegangen sind und Du überreagiert hast. Wenn Du nichts in Dir findest, dann frage Dich: Wann bin ich so? Vielleicht bist Du derzeit in einer ähnlichen Situation und Deine Nerven liegen blank. Wenn Du auch hier nichts findest, dann frage Dich unter welchen Umständen Du so sein könntest? Stell Dir vor, Du bist alleinerziehende Mutter, Dein Mann ist vor kurzem gestorben, Du hast nur sehr wenig Geld, Deine Freunde gehen Dir aus dem Weg, weil sie mit Deiner Situation nicht umgehen können und Deine Kinder sind extrem aufgedreht. Könntest Du unter solchen Umständen die Nerven verlieren und Deinem schreienden Kind im Supermarkt vor allen Leuten eine Ohrfeige verpassen? Die meisten Menschen würden unter Extremumständen die Kontrolle verlieren und etwas tun, was sie sonst nicht tun. Für Dich ist es nicht wichtig zu wissen, warum diese Mutter die Nerven verloren hat, es ist nur wichtig zu schauen unter welchen Umständen Du so bist, so warst oder so sein könntest. Wenn Du eine Resonanz in Dir findest (und die findest Du immer, denn sonst würde Dich die Situation nicht im Geringsten berühren), dann kannst Du diesen Teil in Dir annehmen und bejahend fühlen. Und das nächste Mal, wenn Du auf der Straße jemanden triffst, der die Nerven verliert, dann kannst Du ihm Dein Mit-Gefühl senden, musst aber nicht mehr Mit-Leiden.


So kannst Du alle Projektionen, die Du ins Außen sendest, nach und nach zu Dir zurück nehmen. Doch nimm die Projektionen so zurück, wie sie sich Dir zeigen. Wenn Du Wut verspürst, dann nimm die Wut zu Dir zurück und wenn Du Trauer verspürst, dann nimm die Trauer zu Dir zurück. Aber kümmere Dich nicht um die Trauer, wenn Du wütend bist und nicht um die Wut, wenn Dir zum Heulen ist.


Und schau Dir all die Menschen an, die Du bewunderst. Schau Dir das an, worauf Du so richtig neidisch bist und was Du auch gerne hättest. Du BIST auch all das. Auch diese Projektionen kannst Du nach und nach zu Dir zurück nehmen. Und dann kannst Du dabei zusehen, wie sich Dein Leben Stück für Stück verändert und immer einfacher, leichter und müheloser wird.


Wenn Du dieses Thema vertiefen möchtest, empfehle ich Dir das Buch "Die dunkle Seite der Lichtjäger" von Debbie Ford und die zahlreichen Vorträge von Robert Betz.


Ich wünsche Dir viele Aha´s auf dem Weg zu Dir selbst.